Pressemitteilung: FIFA und Fußball-WM: NRO-Bündnis fordert Rückzahlung von WM-Profiten an die südafrikanische Bevölkerung und einen Verhaltenskodex für die WM 2014 in Brasilien

Bielefeld/Heidelberg (01.12.2010): Am 2. Dezember entscheidet die FIFA über die nächsten Austragungsorte der Fußball WM 2018 und 2022. Aus diesem Anlass fordert das Bündnis „Kick for one world“ in einem Brief die FIFA und seinen Vorsitzenden Joseph Blatter dazu auf, die Entwicklungsinteressen armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen in den Austragungsländern Südafrika (2010) und Brasilien (2014) zu berücksichtigen.

Während der WM in Südafrika klagten insbesondere die Händlerinnen und Händler des informellen Sektors über Ausgrenzung und rigide, entwicklungsfeindliche Lizenzregelungen seitens der FIFA. Insgesamt war die WM für Südafrika ein Verlustgeschäft: Das Land muss entgegen der ursprüngli¬chen Planung einen Verlust von mindestens 2 Mrd. Euro verbuchen – Geld, das einem Land, in dem 20 Millionen Menschen von weniger als 2 US-Dollar pro Tag leben, dringend bräuchte. Die FIFA dagegen konnte mit der WM einen Gewinn von ca. 1,6 Mrd. Euro erzielen – und das steuer¬frei. „Dies ist nicht akzeptabel,“ kritisiert Simone Knapp von der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika. „Wir fordern die FIFA-Verantwortlichen daher auf, 0,7% des Profites an benachteiligte süd¬afrikanische Bevölkerungsgruppen zurückzugeben.“

„Es muss sichergestellt werden, dass für die WM in Brasilien frühzeitig ein Verhaltenskodex zwi¬schen der FIFA und zivilgesellschaftlichen Akteuren in Brasilien entwickelt wird, damit auch margi¬nalisierte Gruppen wie beispielsweise die Straßenhändlerinnen von der WM profitieren können“, ergänzt Dieter Simon von der Koordination Südliches Afrika. „Die negativen Erfahrungen mit der FIFA in Südafrika dürfen sich nicht wiederholen“.

Auch Prominente machen sich für dieses Anliegen gegenüber der FIFA stark. So fordern Mary Robinson, frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, und Ela Bhatt, Gründerin der „Self Employed Women`s Association, die FIFA auf, Gespräche mit Vertretern südafrikanischer und brasilianischer Organisationen aufzunehmen. Beide sind Mitglieder der „Elders“, einer Gruppe in¬ternational anerkannter Führungspersönlichkeiten, die sich 2007 mit Unterstützung von Nelson Mandela gründete.

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:
Dieter Simon, Koordination Südliches Afrika, Welthaus Bielefeld: 0178 3488719
Simone Knapp, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika: : 0163 7302888

Weiterführende Informationen:
www.kosa.org/wm_2010_rsa/rueckblickwm.html
www.streetnet.org.za/?p=538; www.streetnet.org.za/?p=1021
www.kasa.woek.de

Offener Brief an die FIFA

Offener Brief an die FIFA

Joseph S. Blatter
Fédération Internationale de Football Association
FIFA-Strasse 20
P.O. Box
8044 Zurich
Switzerland
Bielefeld, 30 November 2010
Dear Mr Blatter,
In 2008 and 2009 we addressed two letters to you with the request to work for a World Cup
in South Africa that takes development and the needs of the most marginalized into account.
We never received an answer. Later we learnt that FIFA profited highly from the World Cup,
but that South Africa was left with a financial deficit. We regret that FIFA, managing and
marketing such a global sporting event, has left out the opportunity to support development
processes in South Africa, especially for the marginalized.
Therefore we ask you to show your commitment to the Millennium Development Goals stated
on May 9, 2008 to the Special Adviser to the United Nations Secretary-General on Sport for
Development and Peace, Wilfried Lemke and to take up the initiative from StreetNet
International and pay back 0.7% of the profit through the World Cup in South Africa to its
people.
In the meantime preparations for the 2014 World Cup in Brazil are ongoing. The (South
African) World Class Cities for All Campaign, led by StreetNet International, was officially
passed on to the Coordination of Social Movements (CMS) and the CUT Brazil on July 20th
in Port Elizabeth. StreetNet International in conjunction with CUT Brazil and other partners
have now started to work in the run-up to the 2014 World Cup to ensure that all investments
will have a long-term benefit, especially for marginalized groups like street vendors.
Therefore we fully support the request that FIFA initiate dialogue with StreetNet International
and their Brazilian partners to develop a code of conduct on the relationship between FIFA
and marginalized stakeholders, e.g. local traders to ensure that the 2014 World Cup benefits
all those who live in Brazil. We note that this request has also been supported by worldrenowned
leaders, including Mary Robinson and Ela Bhatt.
2
We are looking forward to hearing from you. The time to act is now!
Yours sincerely,
Dieter Simon, Coordinator
Koordination Südliches Afrika
August-Bebel-Str. 62
33602 Bielefeld, Germany
www.kosa.org
Simone Knapp, Coordinator
Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika
Obere Seegasse 18
69124 Heidelberg, Germany
www.kasa.woek.de
Organisations supporting this letter
Aktion Bundesschluss Stuttgart www.aktionbundesschluss.de
Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden Bonn www.friedensdienst.de
Arbeitskreis Südliches Afrika Mülheim www.kosa.org/mglorg/asa.html
Bahnhof Nord-Süd Büro Bochum www.bahnhof-langendreer.de
BISA e.V., Bochumer Initiative Südliches Afrika Bochum www.bo-alternativ.de/bisa.htm
Brasilieninitiative Freiburg e.V. Freiburg www.brasilieninitiative.de
Brasilien-Kampagne Mandacaru Erkelenz www.mandacaru-web.de
Brot für die Welt Stuttgart www.brot-fuer-die-welt.de
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen
und Aktionäre Köln www.kritischeaktionaere.de
EMS (noch offen) Stuttgart www.ems-online.org
ESS-München München www.muencheninternational.
de/
Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V. Stuttgart www.eva-stuttgart.de
3
Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene
Filmarbeit Stuttgart www.ezef.de
Gruppe Kirchliche Partnerschaften im
Partnerschaftsverein Bremen-Durban e.V Bremen ihssen.forum@kirche-bremen.de
Kairos Europa e.V. Heidelberg www.kairoseuropa.de
KoBra – Kooperation Brasilien e.V. Freiburg www.kooperation-brasilien.org
Landshuter Arbeitskreis Partnerschaft mit der
Dritten Welt e.V. Landshut www.dritte-welt-landshut.de
Schweizerisches Arbeiterhilfswerk Zürich www.sah.ch
Stiftung Nord-Süd Brücken Berlin www.nord-sued-bruecken.de
Stiftung Solidarische Welt Puchheim horst.kuehnle@web.de
Stoffwechsel – Dialoge und Projekte zur
Förderung des Menschenrechts auf Bildung e.V. Karlsruhe www.stoffwechsel-ev.de
Werkstatt Solidarische Welt e.V. Augsburg www.werkstattsolidarischewelt.
de
Weltfriedensdienst e.V. Berlin www.weltfriedensdienst.de
Welthaus Bielefeld e.V. Bielefeld www.welthaus.de
Zimbabwe Netzwerk e.V. Bielefeld www.zimbabwe-netzwerk.de
Individuals, supporting this letter
Albert Eiden Duisburg
Angela Mai Schliersee
Angela Semmelroth
Anita Kunzi-Kress
Annegret Klasen Polch
Bernhard Dinkelaker
Claudia Böhm
4
Dagmar Paternoga
Elke Stahn Wedel
Friederike Schulze
Grit Ruechel Vaal
Hans Blum
Hans-Jürgen Withopf Adlkofen
Heike Ostermann
Heike Skok München
Heinz Peter Vetter Erkelenz
Hildegard Lenz Bremen
Jürgen Stahn Wedel
Karl Schmidt Stuttgart
Klaus-Peter Spohn-Logé Lambsheim
Kurt Büttler Landshut
Lothar Elsner Stuttgart
Ostermann
Paul Russmann Stuttgart
Rainer Kruse Stuttgart
Sigrid Schön Darmstadt
Ulrich Duchrow Heidelberg
Uta Schildwächter Olching
Werner Schneider-Quindeau Frankfurt
Wolfgang Mai

Nadine Gordimer   –  eine Stimme aus Südafrika nach der Fußball-WM

Ein Artikel von Ben Khumalo-Seegelken zu Nadine Gordimers Gedanken über Südafrika nach der Fußball-Wltmeisterschaft

Von den Sorgen des Alltags sei die Fußball-Weltmeisterschaft für die meisten Menschen in Südafrika eine willkommene Ablenkung gewesen, meint Nadine Gordimer, Menschenrechtlerin und bekannteste Schriftstellerin Südafrikas. „Nun müssen wir aber darauf achten“, mahnt sie jedoch, „dass die Freude über die gelungene Weltmeisterschaft nicht die Aufmerksamkeit von dem ablenkt, was wirklich wichtig ist: das Wohlergehen meiner Landsleute!“

Gordimer blickt mit Genugtuung zurück: Etwas aufmerksamer habe die Welt in diesen Wochen und Monaten hingeschaut und mitbekommen, wie es den Menschen im Gastgeberkontinent geht und mit welchen Fragen sich die meisten Schwarzen in der jungen Demokratie Südafrika täglich herumschlagen müssen.

Hunderttausende leben ohne Trinkwasser in Obdachlosensiedlungen am Rande der Metropolen, und Millionen sind ohne Einkommen.  Seitdem die Apartheid vor fast 20 Jahren abgewählt wurde, hat sich in Südafrika neben der weißen Mittel- und Oberschicht auch eine kleine schwarze Mittel- und Oberschicht gebildet. Doch damit sind die Grundbedürfnisse der übergroßen Mehrheit nicht befriedigt;  Arbeitsniederlegungen und Proteste gehören darum zum südafrikanischen Alltag.

Im Freudentaumel seien sich die Menschen, die seit dem Ende der Apartheid sonst immer noch getrennt leben und bisweilen gegeneinander um ihr Recht ringen müssen, näher gekommen und wurden als gemeinsame Ausrichter eines Großereignisses bewundert.  Ob das Gefühl „wir gehören zusammen“ auch anhält, wenn Landsleute gleich nach dem Abpfiff wieder um denselben Job konkurrieren, wagt die 87jährige Johannesburgerin sehr zu bezweifeln. Gezeigt habe die WM jedoch, gibt  Gordimer zu bedenken, „dass unsere Probleme und Spannungen unter den richtigen Umständen sehr wohl überwunden werden können.“ Die Stimmung in jenen Tagen könne als gutes Beispiel dafür dienen, „dass sich all die verschiedenen Volksgruppen in Südafrika für eine gemeinsame Sache begeistern können.“  Die Vision einer `Regenbogennation´ sei erlebbar gewesen.

Nadine Gordimer vergleicht den Tag, an dem Südafrika 1994 eine Demokratie wurde mit jener Nacht, „als die Mauer in Berlin fiel“.  Sie mahnt aber, dass nicht vergessen werden darf, welchem Ausmaß von Erniedrigung und Ausbeutung die schwarze Bevölkerungsmehrheit bis dahin ausgesetzt war.  Unvergesslich bleibt auch der Durchbruch, den der Freiheitskampf unter Nelson Mandela dem Land ermöglichte. Dass inzwischen aber nicht wenige die Macht missbrauchen, öffentliche Mittel veruntreuen und unverhohlen andere bedrohen, sieht die langjährige Weggefährtin Nelson Mandelas mit zunehmender Sorge.

Versäumnisse und Herausforderungen der letzten anderthalb Jahrzehnte beschäftigen sie. Ihr sei leider erst spät bewusst geworden, was angesichts der millionenfachen Ansteckung und Erkrankung an HIV und AIDS viel früher hätte unternommen werden sollen.  Die Millionen Menschen aus den Nachbarländern, die auf der Suche nach Schutz und Zukunft ins Land Mandelas fliehen, bezeichnen eine weitere Herausforderung, dass  Südafrika und seine Nachbarn zusammenarbeiten und den Ursachen der Flucht vorbeugen müssen. Die immer wiederkehrende fremdenfeindlichen Ausschreitungen, findet Gordimer beunruhigend; sie meint aber, dass sie „keine Ablehnung des Fremden“ seien, sondern Folge davon sind, dass dort „Menschen aus halb Afrika“ gegeneinander als „Rivalen um das eine Stück Brot“ auftreten.

Südafrika nach der Fußball-Weltmeisterschaft: Anlass zu Freude und Hoffnung, aber auch zu mancher Sorge. ‘Liberation Processes in pre- and post-colonial Southern Africa (LiPSA)’ http://www.benkhumalo-seegelken.de/suedafrika.html, 15.07.2010

Nach WM in Südafrika – Die Ringe nach der Kugel

Kommentar von Simone Knapp zum Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 12. Juli 2010
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/fussball_wm_2010/2837173_Nach-WM-in-Suedafrika-Die-Ringe-nach-der-Kugel.html

Durbans Bürgermeister hatte die Ringe bereits im Visier, da war das Stadion für die Kugel noch nicht mal fertig. Seit 1994 jagt ein sportliches Großereignis das andere in Südafrika:

Rugby Weltmeisterschaft 1995, African Cup of Nations 1996, Cricket Weltmeisterschaft 2003, World Twenty20 Meisterschaft 2007, Indian Premier League, British and Irish Lions tour, Confederations Cup und ICC Champions trophy alle im Jahr 2009. Gleichzeitig kann man eine Verschärfung der Einkommensungleichheit feststellen. Lag der Gini-Koeffizient 1994 noch bei 0,59, so hat er sich auf einen bisherigen Höchststand von 0,685 im Jahr 2006 hochgeschraubt. Die Zahlen für 2009 zeigen eine Einkommensungleichheit von 0,679. Eins würde die absolute Ungleichheit anzeigen, Null spräche für absolut gleiche Einkommensverhältnisse.

Natürlich sind diese Zahlen, wie alle, umstritten. Doch sie zeigen eine globalisierte Tendenz zur Umverteilung von Arm nach Reich – und Megaevents tragen einen großen Teil dazu bei, weil sie Steuergelder für etwas investieren, wovon nur wenige im Land, und dabei besonders große Unternehmen, profitieren.

Was also will Südafrika und besonders Durban erreichen? Die Nation hat sich doch nun hinreichend bewiesen, die Regierung gezeigt, zu was sie in der Lage ist. Südafrika ist zurück auf der Weltkarte des Sports, nachdem sie aufgrund der Apartheid so lange ausgeschlossen war. Es wäre nun durchaus angebracht, dass die Regierung ihre Fähigkeiten nicht nur der Welt, sondern besonders ihren eigenen BürgerInnen unter Beweis stellt und den massiven Protesten der Armen und Ärmsten zuhört, sie ernst nimmt und für Abhilfe sorgt. Hier geht es um Grundlegendes: Wasser, sanitäre Einrichtungen, Wohnraum, Zugang zu Land, Arbeitsplätze, Gesundheitsfürsorge…

Es gab in Südafrika gegen Ende der Vorbereitungen zur Fußball-Weltmeisterschaft immer mehr Proteste, die sich gegen die Art und Weise, wie mit Mega-Events umgegangen wird, richteten, wie sie auf Kosten der Steuerzahlen ausgetragen werden ohne letztlich etwas zurück zu geben. Außer vielleicht ein paar traumhaft schöne Stadien, die in Zukunft noch mehr Geld verschlingen werden oder noch mehr weiße Elefanten, von denen es in Afrika ja nun wahrlich genug gibt. Man kann dem Land nur wünschen, dass diese Proteste auf dem Hintergrund von Zahlen und Fakten in Bezug auf die vergangene Ereignisse dazu führen, dass Durban bzw. Südafrika seine Bewerbung für die Olympischen Spiele nicht einreicht. Wir werden auf jeden Fall dran bleiben, denn wie schon unser Sepp zu sagen pflegte: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“

Nach dem Abpfiff wird alles sein wie immer?

Kommentar von Boniface Mabanza zum Artikel „Buren in Südafrika. Nach dem Abpfiff wird alles sein wie immer“ in der FAZ vom 28.06.10

Über die Verunsicherung der Buren im neuen Südafrika ist viel geschrieben worden. Thomas Scheen berichtet in seinem Artikel über einige Gründe dieser Verunsicherung: die vermeintliche Diskriminierung in der Verwaltung, die besondere Besteuerung der ausschließlich in Afrikaans unterrichtenden Schulen und die hohe Kriminalität, vor der die Regierung aus der Sicht seiner Gesprächspartner kapituliert habe. Auffällig in der Wahrnehmung der in dem Artikel zu Wort kommenden Buren ist die Schuldzuweisung gegenüber der jetzigen Regierung. Sie erwähnen die Apartheid-Vergangenheit Südafrikas keineswegs als Ursprung vieler heute auftretender Probleme in Südafrika und folglich sehen sie sich nicht als Teil des Problems. Im Gegenteil beschönigen sie die Situation: das Gerede von Gegensätzen zwischen Schwarzen und Weißen gehe ihnen auf die Nerven, im täglichen Leben gebe es kaum Probleme miteinander, das wahre Problem sei die Regierung.

Auch wenn Thomas Scheen mehr beschreibt als er analysiert, gelingt es ihm durch die Gegenüberstellung der Positionen zweier Generationen von Afrikaanern zu zeigen, dass auch innerhalb der Afrikaaner-Community etwas in Bewegung ist. Da, wo sich die ältere Generation der Afrikaander beunruhigt zeigt und an die sich ergebenden Veränderungen nicht glaubt und vermutlich nicht glauben will („Nach dem Abpfiff wird hier alles sein wie immer“), denkt die junge Generation anders („Wir sind eine neue Generation Afrikaaner, wir sind beweglich.“). Diese neue Generation sieht in der Anteilnahme der Weißen am WM-Projekt in Südafrika eine Chance („so etwas verbindet“). Die hier entstehende Empathie kann für die jungen Buren der erste Schritt zur Bereitschaft sein, sich ernsthaft mit den Problemen der Schwarzen zu beschäftigen, die Verantwortung ihrer Gemeinschaft anzuerkennen und der reaktionären Diskreditierung aller Maßnahmen zur Behebung der Erblasten aus der Apartheidzeit entgegenzuwirken. Entscheidend wird sein, ob die Südafrikaner den während der WM im Ansatz wieder entdeckten Traum von der Regenbogennation in den Alltag übersetzen können.

Wenn ich südafrikanische Kinder aller ethnischer Gruppen neben den Fußballspielern oder beim Fahnentragen helfen sehe, habe ich das Gefühl, dass dieses gemeinsame Erlebnis verbindet. Diese Kinder, die jetzt diese gemeinsamen Erfahrungen machen, könnten sich als Erwachsene anders begegnen als ihre Eltern. Dafür müssen die verbindenden Erfahrungen und Momente aufgebaut werden. Dafür bedarf es einer Bereitschaft von allen gesellschaftlichen Kräften und vor allem von denjenigen, die in Politik und Wirtschaft Verantwortung tragen, sich ernsthaft mit den Problemen der Benachteiligten auseinanderzusetzen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Fußball und die WM leisten einen Beitrag, indem sie das Zugehörigkeitsgefühl verstärken. Darüber hinaus ist die Politik gefragt. Sie ist dafür zuständig, zur Veränderung von Einstellungen beizutragen und veränderte Einstellungen politisch und wirtschaftlich umzusetzen. Nur so kann Südafrika für alle seine Einwohner auch über die WM hinaus „umwerfend“ werden.

Was mit einem frühzeitigen Ausscheiden der Bafana Bafana auf dem Spiel stünde

Kommentar von Boniface Mabanza zu den Konsequenzen eines möglichen frühzeitigen Ausscheidens der Bafana Bafana

„Mit dem Tor für Uruguay kam die Stille“, schreibt Carolin Ströbele in der „Zeit Online“. „Das war die Stunde des Schweigens für die Vuvuzelas“, heißt es bei anderen Medien. Die südafrikanischen und die internationalen Medien spekulieren über die Chancen der Bafana Bafana, seit das Gastgeberland der Fußball WM 2010 sein zweites Gruppenspiel verloren hat. Danny Jordaan, der Chef des  südafrikanischen Organisationskomitees, meinte gar, die Stimmung bei einer Weltmeisterschaft hänge sehr stark mit dem Abschneiden des Gastgebers zusammen. Er mache sich Sorgen um die WM-Stimmung, falls die südafrikanische Nationalmannschaft das Wunder nicht schaffe, gegen Frankreich zu gewinnen und sich doch noch zu qualifizieren.

In den WM-Foren werden die Ergebnisse der südafrikanischen Mannschaft unterschiedlich kommentiert. Die meisten Kommentatoren haben die Niederlage Südafrikas und das drohende frühe Ausscheiden mit gemischten Gefühlen registriert. Sie würden Südafrika ein Weiterkommen gönnen, aber in seinem Ausscheiden sehen sie eine Chance, dem Vuvuzela-Terror zu entkommen. Bei dieser Hoffnung wird vergessen, dass einerseits die Südafrikaner nicht nur die Spiele der eigenen Nationalmannschaft besuchen und dass andererseits die Vuzuzelas dem Ausscheiden Südafrikas überleben würden, weil sie von Fans anderer Nationen auch in Anspruch genommen werden.

Jenseits der sportlichen Arena hätte eine Niederlage Südafrikas gegen Frankreich schwere Folgen. Die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen der WM konnte bereits im Vorfeld des Ereignisses für die FIFA und deren Sponsoren, für die Bauunternehmen und viele andere Gewinner der WM beantwortet werden. Dafür liegen konkrete Zahlen vor. Der Nutzen der WM für Südafrika selbst wird jedoch vor allem auf politischer Ebene erwartet: Nation-Building und Konsolidierung des Versöhnungsprozesses soll die WM bringen. Das Zusammenkommen von Südafrikanern aller ethnischer Gruppen und die Spiele der Nationalmannschaft sollen dem Nation-Building-Prozess dienen und dieses Ziel ließe sich um so eher erreichen, je länger der Gastgeber im Turnier bliebe. Was mit einem frühzeitigen Ausscheiden auf dem Spiel stünde, ist möglicherweise der sicherste Ertrag der Fußball WM 2010 für den Gastgeber.

Der Schatten des Büffels

Der Schatten des Büffels

Kommentar von Simone Knapp zum Artikel „Der Schatten des Büffels“ von Hauke Goos in Der Spiegel 23/2010 vom 7.6.2010

Dass sich das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in solch einfühlsamer Weise mit (Süd)Afrika beschäftigen würde, hätte ich nach der Sonderausgabe „Afrika – das umkämpfte Paradies“ vom Mai 2007 nicht erwartet. Pünktlich zum WM-Start berichtet das Magazin über die Machenschaften der Daimler AG während der Apartheid und zeichnet ein recht genaues Bild der Khulumani Support Group, der südafrikanischen Opferorganisation, die Daimler gemeinsam mit Ford, GM, IBM und Rheinmetall in den USA wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen unter dem Alien Tort Claims Act anklagt. Nicht erwähnt bleibt in dem Artikel leider, dass die Klage seit vielen Jahren in Deutschland von verschiedenen NGOs begleitet wird, darunter KASA. Nicht erwähnt bleibt auch, dass es derzeit eine Kampagne mit dem Titel „Star of Apartheid“ in Deutschland gibt, die parallel und in enger Zusammenarbeit zur erwähnten südafrikanischen Kampagne von Khulumani entstand. Die Plakate, die Jobson mit ihren MitstreiterInnen diskutiert, sind die ersten Entwürfe für das deutsche Kampagnenplakat! Die Deutsche Kampagne ist auch in intensivem Dialog mit dem Deutschen Fußballbund. Und obwohl dieser im Bereich Rechtsextremismus durch seinen Vorsitzenden Theo Zwanziger sehr fortschrittlich ist, hat er in der Diskussion über die Zusammenhänge in Südafrika während der Apartheid erstaunlich wenig Eigeninitiative und eigene Meinung entwickelt. Aber auch das ist – leider – nicht Gegenstand des Artikels, um den es hier geht.

Weiter hinten im Artikel kann man über die Gegenargumente der Daimler AG lesen. Goos schreibt: „Recht und Moral verschwimmen“ und begründet dies damit, dass auch der Daimler-Konzern moralisch argumentiert. Er sei schließlich geblieben und habe den weißen Südafrikanern gezeigt, dass man Demokratie leben könne. Dass dies mit Nichten so war, haben viele Anti-Apartheids-Organisationen bereits in den achtziger Jahren belegt mit Studien zur Situation von Arbeitern in den Werken, Zusammenarbeit mit Gewerkschaftern und vielem mehr. Es geht hier nicht um Moral sondern um internationales Recht, das Daimler nachweislich verletzt hat. Und genau aus diesem Grund hat Khulumani die Klage in den USA eingereicht, Hier bietet der Alien Tort Claims Act als einziger weltweit die Möglichkeit, international tätige Unternehmen anzuklagen – und nicht, weil es hier die höchsten Entschädigungssummen gibt. Dass dieses Argument in dem Spiegelartikel auftaucht ist ein herber Schlag ins Gesicht der Opfer. Natürlich geht es bei einer Klage ums Geld, um Entschädigung und Wiedergutmachung. Das war auch bei der Zwangsarbeiterklage gegen deutsche Unternehmen so. Doch es geht auch um weitere Dimensionen wie Rückgewinnung der Menschenwürde und um Wahrheit. In Deutschland wäre eine Anklage aus vielen Gründen nicht möglich, auch in Südafrika wären viele Anklagepunke bereits verjährt. So ist es verständlich, dass Khulumani nach langjährigen und intensiven Dialogversuchen sowohl mit der eigenen südafrikanischen Regierung als auch mit den internationalen Unternehmen nun zu den zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel greift. Diese Begründung – es gehe nur um die Höhe der Entschädigungssumme – ist auch deshalb so fatal, weil gerade Daimler sie immer wieder benutzt, um die Klage zu diskreditieren. Zuletzt bei der diesjährigen Hauptversammlung, in der der Vorstandsvorsitzende Bischof erklärte, es gehe den Klägern ja nur ums Geld. Und wenn? Um was genau geht es denn der Daimler AG, wenn sie mit diktatorischen Regimen Geschäfte macht ohne auf die Einhaltung der Menschenrechte zu achten – wie zum Beispiel in Argentinien Ende der 70iger Jahre; wenn sie ungeheure Summen an Korruptionsgeldern bezahlt, wie erst kürzlich herauskam? Etwa nicht ums Geld? Aber genau hier unterscheiden sich eben Kläger und Beklagte. Die einen strecken jahrelang die Hand zur Versöhnung aus, die anderen ignorieren sie in arrogantester Weise und setzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wir werden sehen, wie das Spiel ausgeht.

Aber zurück zum Artikel. Abgesehen von den angesprochenen Schwächen ist es Goos zugute zu halten, dass er Menschen porträtiert, die im Trubel der Spiele vergessen oder übersehen werden, die selbst am Trubel gar nicht teilnehmen können. Ein Mosaikstein zum Verständnis des WM-Austragungslandes.

Überlebt Mandelas Traumland den afrikanischen Alltag?

Überlebt Mandelas Traumland den afrikanischen Alltag?

Kommentar von Boniface Mabanza zum Artikel „Überlebt Mandelas Traumland den afrikanischen Alltag?“ im Handelsblatt vom 28. Mai 2010

Jeden Tag erscheinen neue Artikel und Berichte über Südafrika. Angesichts dieser Fülle erscheint der hier analysierte Artikel vom 28. Mai fast schon veraltet. Trotzdem bleibt er interessant, weil er viele für Südafrika relevante Themen anspricht.

Auffällig ist generell die fehlende begriffliche Klärung. Nirgendwo wird erklärt, worin denn der afrikanische Alltag besteht, der Mandelas Traumland im Wege stünde. Es wird dem Leser überlassen, sich ein Bild vom afrikanischen Alltag zu machen.

Kritisiert wird unter anderem, „dass die Privatisierung am Kap seit Jahren stagniert“. Abgesehen davon, dass Südafrika seit 1996 viele Staatsbetriebe privatisiert hat, muss festgehalten werden, dass Privatisierung als allgemein gültige Lösung aus vielen guten Gründen in der Kritik steht.

Ein anderer Aspekt ist die Kritik an dem „ersten afrikanischen Sozialstaat“, den der ANC am Kap in Rekordzeit geschaffen habe. Es stimmt, dass die südafrikanische Regierung viele soziale Leistungen finanziert, aber diese sind notwendig in einem Kontext, in dem viele Menschen auf dem Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden. Angesichts der Tatsache, dass trotz dieser sozialen Leistungen die Mehrheit der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Teilnahme immer noch ausgeschlossen ist, erscheint mir diese Kritik zynisch. Problematischer wird die Analyse, wenn der Autor schreibt, dass „die kostspielige Umverteilung fast ausschließlich von den Unternehmen finanziert wird. Und von den rund 5,5 Millionen überwiegend weißen Steuerzahlern, die aber zunehmend auswandern: Seit 1994 haben fast 900 000 der damals fünf Millionen Weißen das Land verlassen“.  Diese Analyse impliziert eine Reihe von Problemen:

1. Den Arbeitsnehmern wird ihr Beitrag zur Wirtschaftsleistung Südafrikas abgesprochen. Sie sind es, die mit ihren leider niedrigen Löhnen, Südafrika zu einem „wettbewerbsfähigen“ Investitionsstandort machen. Angesichts der Großzügigkeit und des Entgegenkommens der südafrikanischen Regierung gegenüber den Unternehmen sollten die Unternehmen in Anbetracht ihrer Gewinne froh sein, nur den jetzigen winzigen Beitrag zur „Umverteilung“ leisten zu müssen. Im Übrigen wäre eine Erhöhung ihrer Leistungen in ihrem Interesse: Politische Stabilität und sozialer Friede sind unentbehrlich für ihre Tätigkeit.

2. Die Anspielung auf die überwiegend weißen Steuerzahler zeigt die fehlende Sensibilität des Autors für die Geschichte Südafrikas. Die Apartheid mit ihrer planmäßigen und systematischen Verlagerung von Land und Ressourcen von der schwarzen zur weißen Bevölkerung ist die Erklärung dafür, dass die Wirtschaft Südafrikas vor allem in Spitzenpositionen heute noch bis zu 90% weiß dominiert ist. Dass diese zahlenmäßig mehr beitragen als die Schwarzen, ist nur logisch. Aber dieses „Mehr“ sollte angesichts des angehäuften Unrechts, auf dem die Privilegien der Weißen beruhen, anders interpretiert werden.

3. Auch die Anspielung auf die Auswanderung der Weißen ist zu kurz gedacht, wenn nicht propagandistisch. Die Bevölkerungsentwicklung in Südafrika seit 1999 zeigt, dass der Anteil der Weißen an der Gesamtbevölkerung fast stabil geblieben ist (4.472.100 im Jahr 2009 gegen 4.538.700 im Jahr 1999). Einige Weiße haben Südafrika verlassen, andere sind zurückgekehrt. Und für die Auswanderung gelten verschiedene Gründe. Es ist zum Beispiel bekannt, dass in den letzten Jahren 25 % aller südafrikanischen Hochschulabsolventen in die USA ausgewandert sind. Der Grund hierfür ist nicht die Umverteilungspolitik der Regierung. Die Regierung kann auch nichts dafür, wenn jemand die politische Veränderung in Südafrika nicht akzeptiert und deswegen auswandert.

Zum Schluss möchte ich kurz auf den Korruptionsvorwurf am Beispiel des 3,75 Milliarden-Kredits der Weltbank an ESKOM eingehen. Der Vorwurf gegenüber dem ANC mag brechtigt sein, und der Kredit an ESKOM ist in Südafrika selbst hoch umstritten. Verwunderlich ist jedoch die Tatsache, dass der Autor kein einziges Wort darüber verliert, welche Rolle Deutschland bei der Gewährung dieses Kredits an Südafrika durch die Weltbank gespielt hat und wie die deutsche Kohlekraftindustrie davon profitiert. Während sich Deutschland als Vorreiter im Klimaschutz verkauft, beteiligt es sich in Südafrika durch seine Energiekonzerne an einem umweltschädlichen Projekt. So kommt das Geld oder zumindest ein Teil davon nach Deutschland zurück und eine umweltschädliche Technologie wird an Südafrika übertragen. Für den Autor dieses Beitrags ist wahrscheinlich die Fixierung auf Südafrika Grund genug, kein einziges Wort über Deutschlands Rolle in diesem großen Geschäft zu verlieren.

Neuerscheinung: Sharpeville nach 50 Jahren – Geschichten vom Überleben in Südafrika

Sharpeville-BroschüreDie Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bringt über viele Wochen und Monate Südafrika ins Zentrum des Interesses. Journalisten reisen nach Südafrika, um über die Lage zu berichten, eine Vielzahl von Dokumentationen und Reiseführern werden publiziert. Deutsche Low Budget-Filme werden vor herrlichen südafrikanischen Kulissen gedreht und sämtliche verfügbaren Dokumentationen und Filme über das Land wieder ausgegraben und gezeigt. Doch SüdafrikanerInnen selbst kommen kaum zu Wort, dienen als Staffage, Beiwerk oder Zierde. Klischees werden transportiert und an den realen Problemen wird allzu oft vorbeigesehen.

Aber wie geht es den vielen Menschen, die aufgrund der Folgen der Apartheidpolitik und der neoliberalen Politik in großer Armut leben, die körperliche und seelische Wunden von der Apartheid getragen haben und mit dieser Hypothek der Vergangenheit trotz Demokratie und moderner Verfassung keine Zukunft haben? Wo liegen die Wurzeln ihres Leides, wie gehen sie mit ihren Erfahrungen um?

Die Organisation Khulumani Support Group vereint Opfer und Überlebende des Apartheidregimes in Selbsthilfegruppen über das ganze Land hinweg. Die insgesamt 55.000 Mitglieder arbeiten an ihrer Vergangenheit und an der Zukunft. International bekannt sind sie nicht zuletzt dadurch, dass sie fünf internationale Unternehmen wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der Apartheidzeit auf Entschädigung verklagt haben. Die Opfer erzählen ihre Geschichte denen, die zuhören können und wollen, und hoffen, dass sich die Lebensbedingungen ihrer Familien noch zu ihren Lebzeiten verändern, dass wenigstens ihre Kinder eine Zukunft haben.

Die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika möchte mit dieser Broschüre den Stimmen aus Südafrika Raum geben, ihnen Gehör verschaffen, sie selbst sprechen und von ihrem Südafrika erzählen lassen. Khulumani und KASA hoffen, dass diese Erzählungen lebendig bleiben, auch wenn die Medien bald zum nächsten Mega-Event weiterziehen.

Die Broschüre erschien mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg-Stiftung. Sie kann als PDF heruntergeladen oder gegen 4 Euro in Briefmarken bei der KASA angefordert werden.

Download (PDF, 3 MB)

Pressemitteilung der Kampagne »The Star of Apartheid« zum Start der Fußball-WM

Daimler – Sponsor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und angeklagt wegen Apartheidgeschäften

Zum Start der Fußballweltmeisterschaft kritisieren Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland und Südafrika, dass Daimler mit der Lieferung von Militärfahrzeugen an Südafrika einen logistischen Beitrag zur Aufrechterhaltung des damaligen Apartheidregimes geleistet hat. Die Kampagne »The Star of Apartheid« fordert von Daimler, der als Hauptsponsor der deutschen Nationalmannschaft auftritt, sich der Vergangenheit zu stellen.

Daimler steht unter Druck: 2009 hat ein US-Bundesbezirksgericht in New York die Sammelklage wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der Apartheid gegen Daimler und vier weitere Konzerne zugelassen: „Dem Konzern wird vorgeworfen durch die Lieferung von Fahrzeugen und Maschinen an Polizei und Militär des südafrikanischen Apartheidregimes Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen geleistet zu haben“, erläutert Dieter Simon, Geschäftsführer von KOSA.

Der größte südafrikanische Opferverband, die Khulumani Support Group (www.khulumani.net), ist Träger der Klage und fordert von Daimler
· die Anerkennung des begangenen Unrechts
· die Öffnung ihrer Archive aus der Apartheid-Zeit
· die Zahlung einer angemessenen Entschädigung.

„Gemeinsam fordern wir den Stuttgarter Konzern mit unserer Kampagne auf, sich 20 Jahre nach dem Ende des Regimes endlich ihrer Verantwortung zu stellen und so einen Beitrag für den weiteren Demokratisierungsprozess in Südafrika zu leisten“, so Anne Jung von medico international.

Experten aus Entwicklungspolitik und Zivilgesellschaft weisen seit Jahren darauf hin, dass bis heute die Überlebenden der Apartheid psychisch und physisch unter den Folgen der jahrzehntelangen Unterdrückung leiden und ohne die Überwindung der sozialen Spaltung dauerhaft keine Versöhnung möglich ist.

Während der WM 2010 finden in vielen deutschen Städten Veranstaltungen statt, zudem werden Unterschriften gesammelt, um den öffentlichen Druck auf Daimler zu erhöhen. Die Unterschriften sollen nach dem Ende der WM 2010 an den Vorsitzenden der Daimler AG, Dr. Dieter Zetsche, übergeben werden.

In Südafrika organisiert Khulumani öffentliche Veranstaltungen und Demonstrationen in den WM-Austragungsorten.

Die Kampagnenarbeit in Deutschland trägt die Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) gemeinsam mit der Koordination Südliches Afrika (KOSA), medico international und dem Solidaritätsdienst international e.V. (SODI).

Mehr Informationen unter www.star-of-apartheid.de

Hintergrundinformationen und Interviewwünsche:
Simone Knapp, KASA, simone.knapp@woek.de, Tel. 06221-4333612
Anne Jung, medico international, jung@medico.de, Tel. 0179-1230719
Dieter Simon, KOSA, dieter.simon@kosa.org, Tel. 0178-3488719