Nadine Gordimer   –  eine Stimme aus Südafrika nach der Fußball-WM

Ein Artikel von Ben Khumalo-Seegelken zu Nadine Gordimers Gedanken über Südafrika nach der Fußball-Wltmeisterschaft

Von den Sorgen des Alltags sei die Fußball-Weltmeisterschaft für die meisten Menschen in Südafrika eine willkommene Ablenkung gewesen, meint Nadine Gordimer, Menschenrechtlerin und bekannteste Schriftstellerin Südafrikas. „Nun müssen wir aber darauf achten“, mahnt sie jedoch, „dass die Freude über die gelungene Weltmeisterschaft nicht die Aufmerksamkeit von dem ablenkt, was wirklich wichtig ist: das Wohlergehen meiner Landsleute!“

Gordimer blickt mit Genugtuung zurück: Etwas aufmerksamer habe die Welt in diesen Wochen und Monaten hingeschaut und mitbekommen, wie es den Menschen im Gastgeberkontinent geht und mit welchen Fragen sich die meisten Schwarzen in der jungen Demokratie Südafrika täglich herumschlagen müssen.

Hunderttausende leben ohne Trinkwasser in Obdachlosensiedlungen am Rande der Metropolen, und Millionen sind ohne Einkommen.  Seitdem die Apartheid vor fast 20 Jahren abgewählt wurde, hat sich in Südafrika neben der weißen Mittel- und Oberschicht auch eine kleine schwarze Mittel- und Oberschicht gebildet. Doch damit sind die Grundbedürfnisse der übergroßen Mehrheit nicht befriedigt;  Arbeitsniederlegungen und Proteste gehören darum zum südafrikanischen Alltag.

Im Freudentaumel seien sich die Menschen, die seit dem Ende der Apartheid sonst immer noch getrennt leben und bisweilen gegeneinander um ihr Recht ringen müssen, näher gekommen und wurden als gemeinsame Ausrichter eines Großereignisses bewundert.  Ob das Gefühl „wir gehören zusammen“ auch anhält, wenn Landsleute gleich nach dem Abpfiff wieder um denselben Job konkurrieren, wagt die 87jährige Johannesburgerin sehr zu bezweifeln. Gezeigt habe die WM jedoch, gibt  Gordimer zu bedenken, „dass unsere Probleme und Spannungen unter den richtigen Umständen sehr wohl überwunden werden können.“ Die Stimmung in jenen Tagen könne als gutes Beispiel dafür dienen, „dass sich all die verschiedenen Volksgruppen in Südafrika für eine gemeinsame Sache begeistern können.“  Die Vision einer `Regenbogennation´ sei erlebbar gewesen.

Nadine Gordimer vergleicht den Tag, an dem Südafrika 1994 eine Demokratie wurde mit jener Nacht, „als die Mauer in Berlin fiel“.  Sie mahnt aber, dass nicht vergessen werden darf, welchem Ausmaß von Erniedrigung und Ausbeutung die schwarze Bevölkerungsmehrheit bis dahin ausgesetzt war.  Unvergesslich bleibt auch der Durchbruch, den der Freiheitskampf unter Nelson Mandela dem Land ermöglichte. Dass inzwischen aber nicht wenige die Macht missbrauchen, öffentliche Mittel veruntreuen und unverhohlen andere bedrohen, sieht die langjährige Weggefährtin Nelson Mandelas mit zunehmender Sorge.

Versäumnisse und Herausforderungen der letzten anderthalb Jahrzehnte beschäftigen sie. Ihr sei leider erst spät bewusst geworden, was angesichts der millionenfachen Ansteckung und Erkrankung an HIV und AIDS viel früher hätte unternommen werden sollen.  Die Millionen Menschen aus den Nachbarländern, die auf der Suche nach Schutz und Zukunft ins Land Mandelas fliehen, bezeichnen eine weitere Herausforderung, dass  Südafrika und seine Nachbarn zusammenarbeiten und den Ursachen der Flucht vorbeugen müssen. Die immer wiederkehrende fremdenfeindlichen Ausschreitungen, findet Gordimer beunruhigend; sie meint aber, dass sie „keine Ablehnung des Fremden“ seien, sondern Folge davon sind, dass dort „Menschen aus halb Afrika“ gegeneinander als „Rivalen um das eine Stück Brot“ auftreten.

Südafrika nach der Fußball-Weltmeisterschaft: Anlass zu Freude und Hoffnung, aber auch zu mancher Sorge. ‘Liberation Processes in pre- and post-colonial Southern Africa (LiPSA)’ http://www.benkhumalo-seegelken.de/suedafrika.html, 15.07.2010

Nach WM in Südafrika – Die Ringe nach der Kugel

Kommentar von Simone Knapp zum Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 12. Juli 2010
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/fussball_wm_2010/2837173_Nach-WM-in-Suedafrika-Die-Ringe-nach-der-Kugel.html

Durbans Bürgermeister hatte die Ringe bereits im Visier, da war das Stadion für die Kugel noch nicht mal fertig. Seit 1994 jagt ein sportliches Großereignis das andere in Südafrika:

Rugby Weltmeisterschaft 1995, African Cup of Nations 1996, Cricket Weltmeisterschaft 2003, World Twenty20 Meisterschaft 2007, Indian Premier League, British and Irish Lions tour, Confederations Cup und ICC Champions trophy alle im Jahr 2009. Gleichzeitig kann man eine Verschärfung der Einkommensungleichheit feststellen. Lag der Gini-Koeffizient 1994 noch bei 0,59, so hat er sich auf einen bisherigen Höchststand von 0,685 im Jahr 2006 hochgeschraubt. Die Zahlen für 2009 zeigen eine Einkommensungleichheit von 0,679. Eins würde die absolute Ungleichheit anzeigen, Null spräche für absolut gleiche Einkommensverhältnisse.

Natürlich sind diese Zahlen, wie alle, umstritten. Doch sie zeigen eine globalisierte Tendenz zur Umverteilung von Arm nach Reich – und Megaevents tragen einen großen Teil dazu bei, weil sie Steuergelder für etwas investieren, wovon nur wenige im Land, und dabei besonders große Unternehmen, profitieren.

Was also will Südafrika und besonders Durban erreichen? Die Nation hat sich doch nun hinreichend bewiesen, die Regierung gezeigt, zu was sie in der Lage ist. Südafrika ist zurück auf der Weltkarte des Sports, nachdem sie aufgrund der Apartheid so lange ausgeschlossen war. Es wäre nun durchaus angebracht, dass die Regierung ihre Fähigkeiten nicht nur der Welt, sondern besonders ihren eigenen BürgerInnen unter Beweis stellt und den massiven Protesten der Armen und Ärmsten zuhört, sie ernst nimmt und für Abhilfe sorgt. Hier geht es um Grundlegendes: Wasser, sanitäre Einrichtungen, Wohnraum, Zugang zu Land, Arbeitsplätze, Gesundheitsfürsorge…

Es gab in Südafrika gegen Ende der Vorbereitungen zur Fußball-Weltmeisterschaft immer mehr Proteste, die sich gegen die Art und Weise, wie mit Mega-Events umgegangen wird, richteten, wie sie auf Kosten der Steuerzahlen ausgetragen werden ohne letztlich etwas zurück zu geben. Außer vielleicht ein paar traumhaft schöne Stadien, die in Zukunft noch mehr Geld verschlingen werden oder noch mehr weiße Elefanten, von denen es in Afrika ja nun wahrlich genug gibt. Man kann dem Land nur wünschen, dass diese Proteste auf dem Hintergrund von Zahlen und Fakten in Bezug auf die vergangene Ereignisse dazu führen, dass Durban bzw. Südafrika seine Bewerbung für die Olympischen Spiele nicht einreicht. Wir werden auf jeden Fall dran bleiben, denn wie schon unser Sepp zu sagen pflegte: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“

Nach dem Abpfiff wird alles sein wie immer?

Kommentar von Boniface Mabanza zum Artikel „Buren in Südafrika. Nach dem Abpfiff wird alles sein wie immer“ in der FAZ vom 28.06.10

Über die Verunsicherung der Buren im neuen Südafrika ist viel geschrieben worden. Thomas Scheen berichtet in seinem Artikel über einige Gründe dieser Verunsicherung: die vermeintliche Diskriminierung in der Verwaltung, die besondere Besteuerung der ausschließlich in Afrikaans unterrichtenden Schulen und die hohe Kriminalität, vor der die Regierung aus der Sicht seiner Gesprächspartner kapituliert habe. Auffällig in der Wahrnehmung der in dem Artikel zu Wort kommenden Buren ist die Schuldzuweisung gegenüber der jetzigen Regierung. Sie erwähnen die Apartheid-Vergangenheit Südafrikas keineswegs als Ursprung vieler heute auftretender Probleme in Südafrika und folglich sehen sie sich nicht als Teil des Problems. Im Gegenteil beschönigen sie die Situation: das Gerede von Gegensätzen zwischen Schwarzen und Weißen gehe ihnen auf die Nerven, im täglichen Leben gebe es kaum Probleme miteinander, das wahre Problem sei die Regierung.

Auch wenn Thomas Scheen mehr beschreibt als er analysiert, gelingt es ihm durch die Gegenüberstellung der Positionen zweier Generationen von Afrikaanern zu zeigen, dass auch innerhalb der Afrikaaner-Community etwas in Bewegung ist. Da, wo sich die ältere Generation der Afrikaander beunruhigt zeigt und an die sich ergebenden Veränderungen nicht glaubt und vermutlich nicht glauben will („Nach dem Abpfiff wird hier alles sein wie immer“), denkt die junge Generation anders („Wir sind eine neue Generation Afrikaaner, wir sind beweglich.“). Diese neue Generation sieht in der Anteilnahme der Weißen am WM-Projekt in Südafrika eine Chance („so etwas verbindet“). Die hier entstehende Empathie kann für die jungen Buren der erste Schritt zur Bereitschaft sein, sich ernsthaft mit den Problemen der Schwarzen zu beschäftigen, die Verantwortung ihrer Gemeinschaft anzuerkennen und der reaktionären Diskreditierung aller Maßnahmen zur Behebung der Erblasten aus der Apartheidzeit entgegenzuwirken. Entscheidend wird sein, ob die Südafrikaner den während der WM im Ansatz wieder entdeckten Traum von der Regenbogennation in den Alltag übersetzen können.

Wenn ich südafrikanische Kinder aller ethnischer Gruppen neben den Fußballspielern oder beim Fahnentragen helfen sehe, habe ich das Gefühl, dass dieses gemeinsame Erlebnis verbindet. Diese Kinder, die jetzt diese gemeinsamen Erfahrungen machen, könnten sich als Erwachsene anders begegnen als ihre Eltern. Dafür müssen die verbindenden Erfahrungen und Momente aufgebaut werden. Dafür bedarf es einer Bereitschaft von allen gesellschaftlichen Kräften und vor allem von denjenigen, die in Politik und Wirtschaft Verantwortung tragen, sich ernsthaft mit den Problemen der Benachteiligten auseinanderzusetzen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Fußball und die WM leisten einen Beitrag, indem sie das Zugehörigkeitsgefühl verstärken. Darüber hinaus ist die Politik gefragt. Sie ist dafür zuständig, zur Veränderung von Einstellungen beizutragen und veränderte Einstellungen politisch und wirtschaftlich umzusetzen. Nur so kann Südafrika für alle seine Einwohner auch über die WM hinaus „umwerfend“ werden.

Was mit einem frühzeitigen Ausscheiden der Bafana Bafana auf dem Spiel stünde

Kommentar von Boniface Mabanza zu den Konsequenzen eines möglichen frühzeitigen Ausscheidens der Bafana Bafana

„Mit dem Tor für Uruguay kam die Stille“, schreibt Carolin Ströbele in der „Zeit Online“. „Das war die Stunde des Schweigens für die Vuvuzelas“, heißt es bei anderen Medien. Die südafrikanischen und die internationalen Medien spekulieren über die Chancen der Bafana Bafana, seit das Gastgeberland der Fußball WM 2010 sein zweites Gruppenspiel verloren hat. Danny Jordaan, der Chef des  südafrikanischen Organisationskomitees, meinte gar, die Stimmung bei einer Weltmeisterschaft hänge sehr stark mit dem Abschneiden des Gastgebers zusammen. Er mache sich Sorgen um die WM-Stimmung, falls die südafrikanische Nationalmannschaft das Wunder nicht schaffe, gegen Frankreich zu gewinnen und sich doch noch zu qualifizieren.

In den WM-Foren werden die Ergebnisse der südafrikanischen Mannschaft unterschiedlich kommentiert. Die meisten Kommentatoren haben die Niederlage Südafrikas und das drohende frühe Ausscheiden mit gemischten Gefühlen registriert. Sie würden Südafrika ein Weiterkommen gönnen, aber in seinem Ausscheiden sehen sie eine Chance, dem Vuvuzela-Terror zu entkommen. Bei dieser Hoffnung wird vergessen, dass einerseits die Südafrikaner nicht nur die Spiele der eigenen Nationalmannschaft besuchen und dass andererseits die Vuzuzelas dem Ausscheiden Südafrikas überleben würden, weil sie von Fans anderer Nationen auch in Anspruch genommen werden.

Jenseits der sportlichen Arena hätte eine Niederlage Südafrikas gegen Frankreich schwere Folgen. Die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen der WM konnte bereits im Vorfeld des Ereignisses für die FIFA und deren Sponsoren, für die Bauunternehmen und viele andere Gewinner der WM beantwortet werden. Dafür liegen konkrete Zahlen vor. Der Nutzen der WM für Südafrika selbst wird jedoch vor allem auf politischer Ebene erwartet: Nation-Building und Konsolidierung des Versöhnungsprozesses soll die WM bringen. Das Zusammenkommen von Südafrikanern aller ethnischer Gruppen und die Spiele der Nationalmannschaft sollen dem Nation-Building-Prozess dienen und dieses Ziel ließe sich um so eher erreichen, je länger der Gastgeber im Turnier bliebe. Was mit einem frühzeitigen Ausscheiden auf dem Spiel stünde, ist möglicherweise der sicherste Ertrag der Fußball WM 2010 für den Gastgeber.

Der Schatten des Büffels

Der Schatten des Büffels

Kommentar von Simone Knapp zum Artikel „Der Schatten des Büffels“ von Hauke Goos in Der Spiegel 23/2010 vom 7.6.2010

Dass sich das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in solch einfühlsamer Weise mit (Süd)Afrika beschäftigen würde, hätte ich nach der Sonderausgabe „Afrika – das umkämpfte Paradies“ vom Mai 2007 nicht erwartet. Pünktlich zum WM-Start berichtet das Magazin über die Machenschaften der Daimler AG während der Apartheid und zeichnet ein recht genaues Bild der Khulumani Support Group, der südafrikanischen Opferorganisation, die Daimler gemeinsam mit Ford, GM, IBM und Rheinmetall in den USA wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen unter dem Alien Tort Claims Act anklagt. Nicht erwähnt bleibt in dem Artikel leider, dass die Klage seit vielen Jahren in Deutschland von verschiedenen NGOs begleitet wird, darunter KASA. Nicht erwähnt bleibt auch, dass es derzeit eine Kampagne mit dem Titel „Star of Apartheid“ in Deutschland gibt, die parallel und in enger Zusammenarbeit zur erwähnten südafrikanischen Kampagne von Khulumani entstand. Die Plakate, die Jobson mit ihren MitstreiterInnen diskutiert, sind die ersten Entwürfe für das deutsche Kampagnenplakat! Die Deutsche Kampagne ist auch in intensivem Dialog mit dem Deutschen Fußballbund. Und obwohl dieser im Bereich Rechtsextremismus durch seinen Vorsitzenden Theo Zwanziger sehr fortschrittlich ist, hat er in der Diskussion über die Zusammenhänge in Südafrika während der Apartheid erstaunlich wenig Eigeninitiative und eigene Meinung entwickelt. Aber auch das ist – leider – nicht Gegenstand des Artikels, um den es hier geht.

Weiter hinten im Artikel kann man über die Gegenargumente der Daimler AG lesen. Goos schreibt: „Recht und Moral verschwimmen“ und begründet dies damit, dass auch der Daimler-Konzern moralisch argumentiert. Er sei schließlich geblieben und habe den weißen Südafrikanern gezeigt, dass man Demokratie leben könne. Dass dies mit Nichten so war, haben viele Anti-Apartheids-Organisationen bereits in den achtziger Jahren belegt mit Studien zur Situation von Arbeitern in den Werken, Zusammenarbeit mit Gewerkschaftern und vielem mehr. Es geht hier nicht um Moral sondern um internationales Recht, das Daimler nachweislich verletzt hat. Und genau aus diesem Grund hat Khulumani die Klage in den USA eingereicht, Hier bietet der Alien Tort Claims Act als einziger weltweit die Möglichkeit, international tätige Unternehmen anzuklagen – und nicht, weil es hier die höchsten Entschädigungssummen gibt. Dass dieses Argument in dem Spiegelartikel auftaucht ist ein herber Schlag ins Gesicht der Opfer. Natürlich geht es bei einer Klage ums Geld, um Entschädigung und Wiedergutmachung. Das war auch bei der Zwangsarbeiterklage gegen deutsche Unternehmen so. Doch es geht auch um weitere Dimensionen wie Rückgewinnung der Menschenwürde und um Wahrheit. In Deutschland wäre eine Anklage aus vielen Gründen nicht möglich, auch in Südafrika wären viele Anklagepunke bereits verjährt. So ist es verständlich, dass Khulumani nach langjährigen und intensiven Dialogversuchen sowohl mit der eigenen südafrikanischen Regierung als auch mit den internationalen Unternehmen nun zu den zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel greift. Diese Begründung – es gehe nur um die Höhe der Entschädigungssumme – ist auch deshalb so fatal, weil gerade Daimler sie immer wieder benutzt, um die Klage zu diskreditieren. Zuletzt bei der diesjährigen Hauptversammlung, in der der Vorstandsvorsitzende Bischof erklärte, es gehe den Klägern ja nur ums Geld. Und wenn? Um was genau geht es denn der Daimler AG, wenn sie mit diktatorischen Regimen Geschäfte macht ohne auf die Einhaltung der Menschenrechte zu achten – wie zum Beispiel in Argentinien Ende der 70iger Jahre; wenn sie ungeheure Summen an Korruptionsgeldern bezahlt, wie erst kürzlich herauskam? Etwa nicht ums Geld? Aber genau hier unterscheiden sich eben Kläger und Beklagte. Die einen strecken jahrelang die Hand zur Versöhnung aus, die anderen ignorieren sie in arrogantester Weise und setzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wir werden sehen, wie das Spiel ausgeht.

Aber zurück zum Artikel. Abgesehen von den angesprochenen Schwächen ist es Goos zugute zu halten, dass er Menschen porträtiert, die im Trubel der Spiele vergessen oder übersehen werden, die selbst am Trubel gar nicht teilnehmen können. Ein Mosaikstein zum Verständnis des WM-Austragungslandes.

Überlebt Mandelas Traumland den afrikanischen Alltag?

Überlebt Mandelas Traumland den afrikanischen Alltag?

Kommentar von Boniface Mabanza zum Artikel „Überlebt Mandelas Traumland den afrikanischen Alltag?“ im Handelsblatt vom 28. Mai 2010

Jeden Tag erscheinen neue Artikel und Berichte über Südafrika. Angesichts dieser Fülle erscheint der hier analysierte Artikel vom 28. Mai fast schon veraltet. Trotzdem bleibt er interessant, weil er viele für Südafrika relevante Themen anspricht.

Auffällig ist generell die fehlende begriffliche Klärung. Nirgendwo wird erklärt, worin denn der afrikanische Alltag besteht, der Mandelas Traumland im Wege stünde. Es wird dem Leser überlassen, sich ein Bild vom afrikanischen Alltag zu machen.

Kritisiert wird unter anderem, „dass die Privatisierung am Kap seit Jahren stagniert“. Abgesehen davon, dass Südafrika seit 1996 viele Staatsbetriebe privatisiert hat, muss festgehalten werden, dass Privatisierung als allgemein gültige Lösung aus vielen guten Gründen in der Kritik steht.

Ein anderer Aspekt ist die Kritik an dem „ersten afrikanischen Sozialstaat“, den der ANC am Kap in Rekordzeit geschaffen habe. Es stimmt, dass die südafrikanische Regierung viele soziale Leistungen finanziert, aber diese sind notwendig in einem Kontext, in dem viele Menschen auf dem Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden. Angesichts der Tatsache, dass trotz dieser sozialen Leistungen die Mehrheit der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Teilnahme immer noch ausgeschlossen ist, erscheint mir diese Kritik zynisch. Problematischer wird die Analyse, wenn der Autor schreibt, dass „die kostspielige Umverteilung fast ausschließlich von den Unternehmen finanziert wird. Und von den rund 5,5 Millionen überwiegend weißen Steuerzahlern, die aber zunehmend auswandern: Seit 1994 haben fast 900 000 der damals fünf Millionen Weißen das Land verlassen“.  Diese Analyse impliziert eine Reihe von Problemen:

1. Den Arbeitsnehmern wird ihr Beitrag zur Wirtschaftsleistung Südafrikas abgesprochen. Sie sind es, die mit ihren leider niedrigen Löhnen, Südafrika zu einem „wettbewerbsfähigen“ Investitionsstandort machen. Angesichts der Großzügigkeit und des Entgegenkommens der südafrikanischen Regierung gegenüber den Unternehmen sollten die Unternehmen in Anbetracht ihrer Gewinne froh sein, nur den jetzigen winzigen Beitrag zur „Umverteilung“ leisten zu müssen. Im Übrigen wäre eine Erhöhung ihrer Leistungen in ihrem Interesse: Politische Stabilität und sozialer Friede sind unentbehrlich für ihre Tätigkeit.

2. Die Anspielung auf die überwiegend weißen Steuerzahler zeigt die fehlende Sensibilität des Autors für die Geschichte Südafrikas. Die Apartheid mit ihrer planmäßigen und systematischen Verlagerung von Land und Ressourcen von der schwarzen zur weißen Bevölkerung ist die Erklärung dafür, dass die Wirtschaft Südafrikas vor allem in Spitzenpositionen heute noch bis zu 90% weiß dominiert ist. Dass diese zahlenmäßig mehr beitragen als die Schwarzen, ist nur logisch. Aber dieses „Mehr“ sollte angesichts des angehäuften Unrechts, auf dem die Privilegien der Weißen beruhen, anders interpretiert werden.

3. Auch die Anspielung auf die Auswanderung der Weißen ist zu kurz gedacht, wenn nicht propagandistisch. Die Bevölkerungsentwicklung in Südafrika seit 1999 zeigt, dass der Anteil der Weißen an der Gesamtbevölkerung fast stabil geblieben ist (4.472.100 im Jahr 2009 gegen 4.538.700 im Jahr 1999). Einige Weiße haben Südafrika verlassen, andere sind zurückgekehrt. Und für die Auswanderung gelten verschiedene Gründe. Es ist zum Beispiel bekannt, dass in den letzten Jahren 25 % aller südafrikanischen Hochschulabsolventen in die USA ausgewandert sind. Der Grund hierfür ist nicht die Umverteilungspolitik der Regierung. Die Regierung kann auch nichts dafür, wenn jemand die politische Veränderung in Südafrika nicht akzeptiert und deswegen auswandert.

Zum Schluss möchte ich kurz auf den Korruptionsvorwurf am Beispiel des 3,75 Milliarden-Kredits der Weltbank an ESKOM eingehen. Der Vorwurf gegenüber dem ANC mag brechtigt sein, und der Kredit an ESKOM ist in Südafrika selbst hoch umstritten. Verwunderlich ist jedoch die Tatsache, dass der Autor kein einziges Wort darüber verliert, welche Rolle Deutschland bei der Gewährung dieses Kredits an Südafrika durch die Weltbank gespielt hat und wie die deutsche Kohlekraftindustrie davon profitiert. Während sich Deutschland als Vorreiter im Klimaschutz verkauft, beteiligt es sich in Südafrika durch seine Energiekonzerne an einem umweltschädlichen Projekt. So kommt das Geld oder zumindest ein Teil davon nach Deutschland zurück und eine umweltschädliche Technologie wird an Südafrika übertragen. Für den Autor dieses Beitrags ist wahrscheinlich die Fixierung auf Südafrika Grund genug, kein einziges Wort über Deutschlands Rolle in diesem großen Geschäft zu verlieren.

Neuerscheinung: Sharpeville nach 50 Jahren – Geschichten vom Überleben in Südafrika

Sharpeville-BroschüreDie Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bringt über viele Wochen und Monate Südafrika ins Zentrum des Interesses. Journalisten reisen nach Südafrika, um über die Lage zu berichten, eine Vielzahl von Dokumentationen und Reiseführern werden publiziert. Deutsche Low Budget-Filme werden vor herrlichen südafrikanischen Kulissen gedreht und sämtliche verfügbaren Dokumentationen und Filme über das Land wieder ausgegraben und gezeigt. Doch SüdafrikanerInnen selbst kommen kaum zu Wort, dienen als Staffage, Beiwerk oder Zierde. Klischees werden transportiert und an den realen Problemen wird allzu oft vorbeigesehen.

Aber wie geht es den vielen Menschen, die aufgrund der Folgen der Apartheidpolitik und der neoliberalen Politik in großer Armut leben, die körperliche und seelische Wunden von der Apartheid getragen haben und mit dieser Hypothek der Vergangenheit trotz Demokratie und moderner Verfassung keine Zukunft haben? Wo liegen die Wurzeln ihres Leides, wie gehen sie mit ihren Erfahrungen um?

Die Organisation Khulumani Support Group vereint Opfer und Überlebende des Apartheidregimes in Selbsthilfegruppen über das ganze Land hinweg. Die insgesamt 55.000 Mitglieder arbeiten an ihrer Vergangenheit und an der Zukunft. International bekannt sind sie nicht zuletzt dadurch, dass sie fünf internationale Unternehmen wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der Apartheidzeit auf Entschädigung verklagt haben. Die Opfer erzählen ihre Geschichte denen, die zuhören können und wollen, und hoffen, dass sich die Lebensbedingungen ihrer Familien noch zu ihren Lebzeiten verändern, dass wenigstens ihre Kinder eine Zukunft haben.

Die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika möchte mit dieser Broschüre den Stimmen aus Südafrika Raum geben, ihnen Gehör verschaffen, sie selbst sprechen und von ihrem Südafrika erzählen lassen. Khulumani und KASA hoffen, dass diese Erzählungen lebendig bleiben, auch wenn die Medien bald zum nächsten Mega-Event weiterziehen.

Die Broschüre erschien mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg-Stiftung. Sie kann als PDF heruntergeladen oder gegen 4 Euro in Briefmarken bei der KASA angefordert werden.

Download (PDF, 3 MB)

Pressemitteilung der Kampagne »The Star of Apartheid« zum Start der Fußball-WM

Daimler – Sponsor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und angeklagt wegen Apartheidgeschäften

Zum Start der Fußballweltmeisterschaft kritisieren Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland und Südafrika, dass Daimler mit der Lieferung von Militärfahrzeugen an Südafrika einen logistischen Beitrag zur Aufrechterhaltung des damaligen Apartheidregimes geleistet hat. Die Kampagne »The Star of Apartheid« fordert von Daimler, der als Hauptsponsor der deutschen Nationalmannschaft auftritt, sich der Vergangenheit zu stellen.

Daimler steht unter Druck: 2009 hat ein US-Bundesbezirksgericht in New York die Sammelklage wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der Apartheid gegen Daimler und vier weitere Konzerne zugelassen: „Dem Konzern wird vorgeworfen durch die Lieferung von Fahrzeugen und Maschinen an Polizei und Militär des südafrikanischen Apartheidregimes Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen geleistet zu haben“, erläutert Dieter Simon, Geschäftsführer von KOSA.

Der größte südafrikanische Opferverband, die Khulumani Support Group (www.khulumani.net), ist Träger der Klage und fordert von Daimler
· die Anerkennung des begangenen Unrechts
· die Öffnung ihrer Archive aus der Apartheid-Zeit
· die Zahlung einer angemessenen Entschädigung.

„Gemeinsam fordern wir den Stuttgarter Konzern mit unserer Kampagne auf, sich 20 Jahre nach dem Ende des Regimes endlich ihrer Verantwortung zu stellen und so einen Beitrag für den weiteren Demokratisierungsprozess in Südafrika zu leisten“, so Anne Jung von medico international.

Experten aus Entwicklungspolitik und Zivilgesellschaft weisen seit Jahren darauf hin, dass bis heute die Überlebenden der Apartheid psychisch und physisch unter den Folgen der jahrzehntelangen Unterdrückung leiden und ohne die Überwindung der sozialen Spaltung dauerhaft keine Versöhnung möglich ist.

Während der WM 2010 finden in vielen deutschen Städten Veranstaltungen statt, zudem werden Unterschriften gesammelt, um den öffentlichen Druck auf Daimler zu erhöhen. Die Unterschriften sollen nach dem Ende der WM 2010 an den Vorsitzenden der Daimler AG, Dr. Dieter Zetsche, übergeben werden.

In Südafrika organisiert Khulumani öffentliche Veranstaltungen und Demonstrationen in den WM-Austragungsorten.

Die Kampagnenarbeit in Deutschland trägt die Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) gemeinsam mit der Koordination Südliches Afrika (KOSA), medico international und dem Solidaritätsdienst international e.V. (SODI).

Mehr Informationen unter www.star-of-apartheid.de

Hintergrundinformationen und Interviewwünsche:
Simone Knapp, KASA, simone.knapp@woek.de, Tel. 06221-4333612
Anne Jung, medico international, jung@medico.de, Tel. 0179-1230719
Dieter Simon, KOSA, dieter.simon@kosa.org, Tel. 0178-3488719

Willkommen beim WM-Blog der KASA

Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 steht Südafrika im Blickfeld der Öffentlichkeit. Viele Medien nehmen diese Gelegenheit zum Anlass, Südafrika zu „entdecken“ und gleich zu „analysieren“. Dass diese Analysen unterschiedlich ausfallen, verwundert kaum. In der Südafrika-Berichterstattung treffen verschiedene Erfahrungen und Zugänge zu den Wirklichkeiten aufeinander. Die Palette reicht von gut recherchierten, fundierten und ausgewogenen Berichten bis zu Analysen, die an Oberflächlichkeit und Einseitigkeit nicht zu überbieten sind. Bei vielen Veröffentlichungen entsteht der Eindruck, dass – neben anderen Faktoren wie Unwissen und Vorurteilen – die ideologische Voreingenommenheit die Analyse überschattet.

Mit ihrem WM-Blog will die KASA eine Plattform bieten, die verschiedene Sichtweisen zusammenzubringt, indem Veröffentlichungen zu Südafrika aus verschiedenen Quellen zur Diskussion gestellt und mit Fakten und Zusammenhängen konfrontiert werden, die für eine bessere Einordnung wichtig sind. Alle, die unseren Blog besuchen, sind eingeladen, sich an den Diskussionen zu beteiligen. Wir stehen mit unserer langjährigen Arbeit zum Südlichen Afrika für Fragen zur Verfügung. Auf diesem Weg wollen wir einen Beitrag zu einem differenzierten Bild der Region leisten und aufzeigen, welche Kritik berechtigt ist, welche die Interessen der Mehrheit der Menschen in Südafrika berücksichtigt und welche nur die Interessen derer im Blick hat, die diese Kritik formulieren.

Stimmen zur Fußball-WM 2010

Stimmen zur Fußball-WM 2010

Marcus Salomon, ehemaliger Häftling auf Robben Island
Aus: Birgit Schwarz, Südafrika: Die Fußball-Gefangenen, http://www.merian.de/reiseziele/artikel/a-658371.html

“Da gibt unsere Regierung die Regierungsgewalt an einen Verband und seine Sponsoren ab, da werden Stadien, Straßen und Parkplätze gebaut, wo keiner sie braucht, und ungeheure Ressourcen für ein einmaliges Ereignis mobilisiert, während unsere Kinder in den Townships nicht einmal anständige Bolzplätze haben. Die Weltmeisterschaft hat rein gar nichts gemein mit den Zielen der Gefangenenliga. Der sei es ums Allgemeinwohl gegangen, nicht ums “große Geschäft”.“

Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu in einem Interview
Aus Tagblatt vom 17. Juni 2009

Nächstes Jahr ist Südafrika Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft. Was erwarten Sie von diesem Ereignis für ihr Land?
Es wird eine erfolgreiche Meisterschaft sein, was unserem Selbstbild gut tut. Es ist da allererste mal, dass dieses Sportereignis in Afrika stattfindet, und es wird gut organisiert sein. Deutschland hat uns ja schon ein paar Tipps gegeben, wie man eine Weltmeisterschaft gut organisiert. Wir werden versuchen, das auch so hinzukriegen. Wir haben 1995 sehr erfolgreich den Welt-rugby-Cup ausgerichtet, und eine Golf-Weltmeisterschaft. Aber noch nie etwas mit solchen Publikumsmassen.

Rechnen Sie auch mit wirtschaftlichen Effekten?
Neben der Wirkung für unser Selbstvertrauen gibt es natürlich den materiellen Nutzen. Wir hoffen, dass viele Menschen kommen, das bringt Geld in unsere Kassen. Aber vor allem haben wir erlebt, dass Sportsereignisse ein sehr wichtiges Instrument für die Nation-Werdung sind. Als wir 1995 und 1998 Rugby-Weltmeister wurden, bedeutetet das mehr als alle Predigten, die ein Erzbischof halten kann. Es hob ganz wunderbar die Stimmung im Land. Wir fühlten uns gut als Südafrikaner.

Trifft das auch zu, wenn Südafrika die Fußball-WM nicht gewinnt?
Die meisten von uns halten das sowieso für unwahrscheinlich. Wenn sie Italien, Spanien, Brasilien anschauen- also, wir spielen nicht in dieser Liga.

Ein Slumbewohner in dem Dokumentarfilm „Dear Mandela“

„Die Weltmeisterschaft in Südafrika betrifft mich persönlich, denn die Regierung will uns arme Leute aus dem Weg räumen – nur um den Rest der Welt zu beeindrucken.“

Aus einem Interview mit Nomabelu Mvambo-Dandala
Executive Director, Diakonia Council of Churches

Glauben sie, dass die Umsiedlungen in Verbindung mit der Weltmeisterschaft 2010 stehen?

„Umsiedlungen sind kein neues Phänomen in Südafrika. Es gab sie schon bevor fest stand, dass hier 2010 die Fußballweltmeisterschaft stattfinden soll. Doch im Laufe der letzten Jahre hat die Anzahl der Umsiedlungen deutlich zugenommen. Informelle Siedlungen und Straßenkinder sind den Regierungen ein Dorn im Auge. Sie wollen für die Weltmeisterschaft saubere Städte. In Durban gibt es mehr informelle Siedlungen als in irgendeiner anderen Stadt in Südafrika. Da werden sie einiges zu tun haben. Hier sollen im Vorfeld des Spektakels auch Straßenkinder eingesammelt und aus der Stadt gebracht werden.“

www.suedafrika.org/fifa-wm-2010.html

„Südafrika hat sich von Anfang an dazu verpflichtet, die Weltmeisterschaft 2010 zu einer Weltmeisterschaft des gesamten afrikanischen Kontinents zu machen, einem Ereignis also, das dem wirtschaftlichen Wachstum und der Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent zugute kommen sollte, im Sinne einer Afrikanischen Renaissance. Südafrika soll eine Bühne für Afrika sein: “Afrikas Zeit ist gekommen und Südafrika ist bereit”.“

Tinyiko Sam Maluleke, „Let us Postpone the 2010 FIFA World Cup, Shall We?

http://tsmaluleke.blogspot.com/2010/01/let-us-postpone-2010-fifa-world-cup.html

„In this country, both the year 2010 and the World Cup in particular, have been like the lake towards which the rivers and streams of national hopes have been flowing. It all started ten years ago when old Charlie Dempsey scuttled our chance to host the 2006 World Cup. For ten years we looked forward to 2010. For ten years 2010 has been the defining national milestone. In 2004 when South Africa was confirmed as host, Madiba, who was in attendance in Zurich, shared a tear. Millions of other South Africans cried with joy. Since then 2010 has become the definitive national milestone. The corporate sector is full of 2010 strategic plans. It is the great “turn around” year in the fight against HIV and Aids, the housing backlog, the economic recession, the fight against crime and the struggling municipalities. Many individuals see 2010 as the great turn around year for their own life projects.

My fear is this: what do we do after 2010? The power of 2010 lies in its coming and not its arrival. When I look around, I do not see similar national milestones and projects in the next 10 to 15 years. Despite establishing a planning department, Zuma’s government is yet to give us a long-term national project of 2010 proportions. Nor has such a plan come from the opposition. Service delivery is very important — South Africans want to move on from the 15 years of policies and promises. They want results. But beyond that there is a hunger for a riveting national project in the medium- and long-term; one that will cohere our national dreams and harness our energies for the next 10 to 15 years. Until we have such a national project,I would like to push 2010 back just a little“